Photovoltaik-Anlagen auf Einfamilienhäusern gehören längst zum Standard. Doch warum sind sie so selten auf Mehrfamilienhäusern zu sehen? Genau das fragte sich Julian Schulz vor 5 Jahren, als er mit seinem Geschäftspartner das Stuttgarter Start-up metergrid GmbH gründete. Wo er anfangs jeden Vermieter vom Konzept Mieterstrom überzeugen musste, ist der Boom um grünen Strom heute längst Realität. Das zeigt sich auch an den 1.200 Projekten, die metergrid dieses Jahr realisieren möchte.
Welche Leistungen bietet metergrid an?
Julian Schulz betont wie wichtig es ist, den Anforderungen von Photovoltaik-Anlagen im Mehrfamilienhaus zu begegnen und Vermieter zu eigenen Energieversorgern zu machen. Um das zu schaffen, bietet metergrid drei umfassende Leistungen an.
Onboarding-Prozess
metergrid begleitet Vermieter bei allem, was sie für den Betrieb einer Mieterstrom-Lösung benötigen. Metergrid eröffnet Kundenkonten, führt Gespräche mit Solarteuren, erstellt Messkonzepte und installiert moderne Zähltechnik in den Gebäuden.
Smart-Metering-Software
Auch bietet metergrid Software-Lösungen an, mit denen Daten ausgelesen, Abrechnungen erstellt und der Zahlungsverkehr überwacht wird.
Service
Je nach Kundenwunsch wird ein vollumfänglicher Service angeboten, der den gesamten Prozess umfasst.
Bei der Umsetzung von Mieterstrom-Projekten setzt metergrid auf starke Partner, wie Ossler Solar und Investoren wie Hager und die LBBW.
Warum ist Mieterstrom so attraktiv bei Vermietern?
„Weil sich die Frage, ob Mieterstrom finanziell lohnenswert ist, gar nicht mehr stellt“ so Schulz. „Mieterstrom ist ein sicheres und langfristiges Investment, mit bis zu 15 % Rendite. Einem Ausfallrisiko steht die Einspeisevergütung gegenüber. So ist der Worst Case eine Null-Rendite. Zeitgleich erfreuen sich Mieter über günstige Strompreise und haben Anteil an der Energiewende. Auch steigert eine PV-Anlage den Immobilienwert und reduziert CO2-Belastungen.“ Schulz hebt hervor, dass Mieterstrom einen Vorteil für Vermieter, Mieter und die Gesellschaft als Ganzes bringt.
Trotzdem sind unter 2 % der Mietshäuser in Deutschland mit Mieterstromlösungen ausgestattet. Ist das eine „riesige Chance“ oder „noch ein langer Weg“?
„Vor 4 Jahren war es noch ein sehr langer Weg mit einer riesigen Chance, aber auch einem großen Risiko. Jetzt kommt der Markt richtig in Fahrt. Immer mehr Anlagen werden umgesetzt und Regularien verbessert.“ Unter anderem werden Wechselprozesse in die Marktkommunikation eingebunden. Das reduziert bürokratische Hürden für Vermieter und Dienstleister. Die Energiewende in Deutschland ist nicht mehr aufzuhalten. Zwar seien Mehrfamilienhäuser komplexe Systeme, aber mit einem Netzwerk aus Experten und neuen Gesetzen immer einfacher zu handhaben.
Warum ist Mieterstrom interessanter als eine Volleinspeisung? Und was mache ich, wenn meine Mieter einen externen Stromanbieter wählen?
„Bei einer Volleinspeisung ist mit Renditen bis zu 1 % zu rechnen“, erklärt Schulz. Auch das neue Solarspitzengesetz, das voraussichtlich ab März 2025 in Kraft tritt, hinterlässt Unsicherheiten bei Anlagenbetreibern. Bei einem Mehrfamilienhaus wird der Strom direkt vor Ort verbraucht. „Das gibt Vermietern die Sicherheit, dass ihr Strom abgenommen wird.“
„Die Teilnehmerquote der Mieter am Mieterstrom liegt bei bis zu 90 %. Es passiert in der Praxis nicht, dass der erzeugte Strom nicht abgenommen wird. Denn Vermieter bieten Strompreise an, die immer attraktiver sind als Angebote auf dem Markt. Falls doch ein Mieter einen externen Vertrag unterschreibt, machen Vermieter Gebrauch von der Einspeisevergütung.“
Ossler Solar richtet sich an Dachverpächter. Warum ist Mieterstrom auch für Dachverpächter interessant?
„Dachverpächter können durch die Zusammenarbeit mit Mieterstrom-Anbietern ihren Mietern Zugang zu günstigem, lokal produziertem Strom ermöglichen und erhalten gleichzeitig eine Vergütung über das Dachpachtmodell“, erklärt Schulz. In einigen Fällen besteht zudem die Möglichkeit, eine Dachsanierung durch den Mieterstrom-Anbieter finanzieren zu lassen, wodurch sich der Immobilienwert steigern kann. Durch die Zusammenarbeit mit einem Experten wie Ossler Solar können Dachverpächter diese Vorteile optimal nutzen.
Welche finanziellen Anreize gibt es für Mieterstrom-Projekte?
„Auch ohne Subventionen ist Mieterstrom rentabel“, so Schulz. Die ökonomische Seite von Mieterstrom ist bereits gut abgedeckt. Die Bundesregierung gewährt zusätzliche Vergünstigungen, wie den Mieterstromzuschlag. IAB-Abschreibungen und regionale Förderungen sind weitere Möglichkeiten, die Rendite zu erhöhen.
„Viel wichtiger als finanzielle Förderungen sind Verbesserungen auf operativer Ebene“, macht Schulz deutlich. Bei über 880 Netzbetreibern in Deutschland, die ihre Prozesse und Meldesachen unterschiedlich handhaben, können Projekte weniger schnell umgesetzt werden. Hier braucht es zentralisierte Meldestellen und einen weiteren Abbau bürokratischer Hürden.
Wenn Sie ein Mieterstrom-Gesetz sofort ändern könnten, welches wäre es?
„Aktuell ist die Volleinspeisung bessergestellt, als die Überschusseinspeisung. Warum soll Strom, den ich teilweise im Haus verbrauche, weniger wert sein als Strom, den ich direkt einspeise? Dieses Gesetz würde ich ändern“, so Schulz.
Was sind die wichtigsten Themen für Mieterstrom in 2025?
„Der bevorstehende Regierungswechsel wird zeigen, wie wir das Thema Mieterstrom weiter behandeln. Wichtig sind standardisierte Prozesse und vereinfachte Meldeverfahren. Dadurch kann der Ausbau von Mieterstromanlagen beschleunigt werden. Auch die Integration von Ladelösungen, wie Ladesäulen, ist in diesem Jahr wichtig.“
Welche Ziele verfolgt metergrid in diesem Jahr?
„Wir möchten unser Partnernetzwerk, wie mit Ossler Solar, ausbauen und unsere Projektzahlen erreichen. Wir arbeiten auch an einem Prototyp für digitale Mieterakquise. Vermieter kennen ihre Mieter seit vielen Jahren und sprechen mit ihnen zum Thema. Bei kleinen Immobilien funktioniert das gut. Große Immobiliengesellschaften suchen nach einer Möglichkeit, viele Mieter anzusprechen und für Mieterstrom zu gewinnen. Hier setzt unsere neue Lösung an.“
Wie sieht das Mieterstrommodell der Zukunft aus?
„Wir haben eine ideale Situation, wenn Vermieter gut verdienen, Mieter wenig für Strom bezahlen und es Anbieter gibt, die vollumfänglich dabei unterstützen. Wenn Netzbetreiber das Thema weiter akzeptieren und weitere positive Regulierungen beschlossen werden, steht einem umfassenden Ausbau nichts im Weg. Die Energiewende ist nicht mehr aufzuhalten.“